
Endlich habe auch ich den von vielen so lange erwarteten zweiten Teil von Mafia durchgespielt. Ich habe den ersten Teil von Mafia nie gespielt und kann darum keinerlei vergleiche ziehen. Die Möglichkeit den ersten Teil zu spielen besteht, allerdings bin ich ein Grafikflittchen und habe Angst, das Spiel nicht objektiv zu bewerten.
In den meisten Belangen lässt sich Mafia II mit GTA vergleichen. Insbesondere mit GTA IV. Vito Scaletta ist ein Kriegsveteran (genau wie Nico Bellic aus GTA IV) des Zweiten Weltkriegs. Weil der junge Italiener nicht als armer Säufer wie sein Vater enden will, arbeitet er für die Mafia und übernimmt so ziemlich jeden Job der Geldbringt.
Im Gegensatz zu den meisten Helden aus der GTA Reihe, ist Vito ein wirklich sympathischer Killer. Er sieht gut aus, ist aufrichtig und ist ein Gangster, weil er es kann und nicht weil er dazu gezwungen ist. Jeder Charakter in Mafia II ist komplex und lässt sich nach einigen Auftritten charakterisieren. Einziges Problem: weil viele Figuren dem Stereotyp eines Mafiamitglieds entsprechen, sind sich viele der Figuren natürlich sehr ähnlich. Glücklicherweise, wird dies durch einige Figuren wie den aufgedrehten Marty oder den brutalen Brian O’Neill wett gemacht.

Zur Tiefe der Charaktere trägt unter anderem die extrem gute Synchronisation bei. Ich habe noch nie ein Spiel gespielt, dass so gut lokalisiert wurde wie Mafia II. Vito nutzt Worte wie “arschknapp” oder “bekloppt” und wirkt dadurch auch im deutschen sehr glaubwürdig. Oft wirken Charaktere in Filmen und Spielen einfach nicht authentisch, weil sie geschwollen sprechen und Worte nutzen, die man im täglichen Sprachgebrauch eher selten nutzt.
Man hat die Möglichkeit völlig im Spiel zu versinken weil alles so real erscheint. Jedes Zimmer, jede Straßenecke ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Ich hätte Stunden damit verbringen können die Straßen zu erkunden. Wetter und Tageszeit wechseln nicht fließend, sondern sind abhängig von der Mission. Was einerseits, für das Szenario sicher Vorteile hat, andererseits aber schade ist, weil der Realismus ein wenig auf der Strecke bleibt.

An anderer Stelle ist Mafia II dem Konkurrenten GTA, in Sachen Realismus, ein Stück voraus. An einigen Orten im Spiel gibt es das eine oder andere gescriptete Randereignis. Beispielsweiße eine Frau, die sich aus einem Fenster hängt und mit zwei Männern darüber streitet, ob ihr Gatte nun zum Trinken rausgehen darf oder nicht. Oder ein Paar, das sich am Straßenrand streitet, weil das Auto liegen geblieben ist und der Mann es nicht reparieren kann.
Zeitweiße fühlt man sich wirklich in die 40er und 50er Jahre zurückversetzt. Dafür sorgen unter anderem drei Radiosender mit zeitgemäßer Musik und interessanten Anekdoten der Radiomoderatoren. Auch manche Gespräche sind wirklich passend eingebaut. Beispielsweiße unterhalten sich zwei Wachen darüber, das sich einer von beiden durch eine Erbschaft bereits einen Farbfernseher leisten kann, was den anderen wirklich beeindruckt.

Story wird in Mafia II groß geschrieben. Es gibt so gut wie keine Nebenquests und jede Mission bringt einen näher ans Ziel. Zugegeben, Vitos Geschichte ist wirklich spannend, aber die eine oder andere Nebenaktivität hätte hier aber sicher nicht geschadet.
Als ich das erste mal Auto fuhr, bin ich vor Freude fast in die Knie gegangen, denn die Steuerung ist lange nicht so klobig, wie sie noch in der Mafia II Demo erschien. Im Gegenteil jedes Auto lässt sich realistisch (aber nicht zu realistisch) steuern. Falls man also mal die Polizei am Hals hat, fährt man während der Verfolgungsjagd nur selten versehentlich Passanten um oder knallt in vollem Tempo gegen Fassaden. Möchte man einer Hetzjagt mit der Polizei aus dem Weg gehen, lässt sich auf Knopfdruck (L) schnell der Tempomat einschalten und schon fährt unser Fahrzeug nur noch die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Ich habe dieses Feature als äußerst hilfreich empfunden und es oft genutzt.
Fazit: Mafia II ist ein geballter Mafia-Epos, der von mir aus noch länger hätte sein können. Der Spieler wird in eine faszinierende Welt mit vielen dramatischen Höhe- und Tiefpunkten entführt. Ein bisschen fühlt man sich so als würde man selbst in die Familie aufgenommen. Um so trauriger, dass so eine tolle und gewaltige Story ein so blödes Ende hat. Ich habe nichts gegen offene Enden, aber manchmal muss das einfach nicht sein. Ich hoffe einfach, dass dies in dem schon angedeuteten Zusatzcontent geklärt wird.