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[Hörspiel] The Walking Dead

Vor ein paar Tagen suchte ich auf Spotify nach einem Hörspiel, das ich zum Einschlafen hören könnte. Ich probierte es mit den „The Walking Dead“ Hörspielen. Nun, was soll ich sagen… Ich habe lange nicht mehr ein so enttäuschendes Hörspiel gehört.

Um mir ein faires Bild zu machen, habe ich die ersten drei Teile durchgehört. Ich mag die Comic-Vorlage und auch die Serie war in den ersten beiden Staffeln für mich ein absolutes Highlight. Die Hörspiele orientieren sich stark an den Comics, was ich sehr gutheiße. Das heißt aber auch für Daryl Fangirls und -boys: kein Daryl, sorry. :D Leider wurde die Story stark gekürzt. Das sorgt dafür, dass keine Spannung aufkommt, weil jede Situation, die gerade spannend werden könnte, nach wenigen Sekunden schon wieder vorbei ist.

Inhaltlich stört mich besonders, dass die Charaktere die Zombies „Zombies“ nennen. Das mag zwar komisch klingen, aber es ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte, dass die Figuren in einer Welt leben, in der man nicht weiß, was Zombies sind. Schöpfer Robert Kirkman selbst sagte einst

“One of the things about this world is that people don’t know how to shoot people in the head at first, and they’re not familiar with zombies, per se” – Quelle

Und außerdem:

shaun-of-the-dead

Ed: Are there any zombies out there?
Shaun: Don’t say that!
Ed: What?
Shaun: That.
Ed: What?
Shaun: That. The Z word. Don’t say it.
Ed: Why not?
Shaun: Because it’s ridiculous!
Ed: All right… Are there any out there, though?
— Shaun of the Dead

Ich finde die Hörspiele verlassen sich sehr darauf, dass man Vorwissen durch die Comics oder Serie hat, denn es ist wirklich schwer einen Überblick zu bekommen wie viele Überlebende es gibt und wie groß die Gruppe eigentlich ist. Die wenigsten Sprecher stechen hervor und so können auch Stimmen gerne mal verwechselt werden. Die meisten der Sprecher wirken nicht sehr glaubwürdig es fehlt an Dynamik und Dramatik in den Stimmen.

Die Erzählung wird großzügig mit Country Musik unterlegt, manchmal auch während der Dialoge. Ich verstehe, dass man hiermit eine spezielle Atmosphäre erzeugen wollte, die man auch schon aus der Show kennt. Leider funktioniert das im Hörspiel für mich überhaupt nicht. Die Musik nervt mich eher, als die Geschichte irgendwie zu bereichern. Das Sounddesign ist ansonsten aber ziemlich gut. Hintergrundgeräusche sind realistisch und gut umgesetzt.

Ich bin wirklich froh, dass ich für diese Hörspiele kein Geld ausgegeben habe, denn ich hätte mich sehr geärgert. Habt ihr die Hörspiele schon einmal gehört? Was haltet ihr davon? Was haltet ihr von der Idee aus einem Comic ein Hörspiel zu machen?

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6 Comments

  1. In meinem letzten Seminar habe ich mit den Studenten über Comicumsetzung in anderen Medien gesprochen. Besonders hat uns dabei Theater und Film interessiert. Dabei wurde sehr schnell klar, dass sich nicht alles adaptieren lässt. Valentia von Crepax z.B. funktioniert einzig als Comic, lässt sich in kein anderes Medium übertragen (zumindest ab Band 3, 2 und 1 sind noch sehr konventionell). Anderes lässt sich wiederum gut übertragen (08/15 Comic Verfilmung aber eben auch Sachen wie Walking Dead oder sowas wie Gemma Bovery, wo lange Texte sich mit Comicsegmenten vermischen).
    Hörspiele halte ich für problematisch im Adaptionsbereich, weil die visuelle Ebene völlig wegfällt. Im Comic funktioniert Zeit, Rhythmus und Bewegung durch Auslassungen zwischen den Panels. Und das muss man dann ausgleichen. Kann funktionieren, führt aber vermutlich zu groben Sprüngen oder überlangen Erklärungssequenzen.

    • Chaosmacherin

      22. August 2016 at 12:32

      @Julian, genau das ist das Problem, man hat fast ein bisschen das Gefühl, dass nur Sprechblasen vorgelesen wir werden. Es gibt zwar auch einen Erzähler, der die Situationen beschreibt und somit als Ersatz für die visuelle Ebene zu sehen ist, aber seine Texte sind so schlecht geschrieben, dass da kein gutes Bild im Kopf entsteht.

  2. Da wäre ich auch sehr enttäuscht gewesen, ich liebe The Walking Dead und bin Hörbüchern und Hörspielen sehr aufgeschlossen. Enttäuschungen diesbezüglich kenne ich zu gut, auch bei Hörbüchern deren Bücher ich gelesen habe, bis zur Unkenntlichkeit gekürzt, schlecht gelesen usw. Ich finde gut, dass du auch mal über ein Fail berichtest.

    Liebe Grüße, Bee

    • Chaosmacherin

      22. August 2016 at 12:37

      @Bee, bei professionellen Hörspielen habe ich selten eine solche Enttäuschung erlebt. Ich höre auch ab und an Laienhörspiel, da kommt das schon mal vor, aber für die zahlt man ja in der Regel auch nicht. Hörbücher höre ich meistens nur von Büchern, die ich noch nicht kenne, darum habe ich hier zum Glück noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.

  3. TWD lebt auch sehr stark von seinem Gore-Faktor, was ja einer der unbestreitbaren Pluspunkte der Serie ist. Im Hörspiel fehlt sowas ja komplett…

    • Chaosmacherin

      22. August 2016 at 12:41

      @Christian, der Gore-Faktor war mit persönlich bei TWD nie wichtig. Ich sah das ganze immer eher als Charakterstudie. Zusehen, wie sich die Menschen entwickeln und sich zwischenmenschliches verhalten verändert finde ich sehr spannend. Wenn das Überleben wichtiger ist als Empathie, kann das zu sehr interessanten Charakterentwicklungen führen und das war mein liebstes Alleinstellungsmerkmal an TWD. Da liegt eigentlich auch für ein Hörspiel viel Potenzial bereit, wurde aber leider ebenfalls nicht genutzt. Also weder Gore noch Charakterstudie :D

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