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[Film Challenge] Ein Pre-Hays Code Film: Freaks

Auch in den Letzten Wochen war ich weiterhin sehr fleißig bei der Film Challenge. Ich habe mich aber entschlossen nicht mehr jeden Film, den ich im Zuge der Film Challenge gesehen habe, zu besprechen, weil ich nicht über jeden Film etwas zu sagen habe und sich die Vorstellungen dann zu gezwungen anfühlen. Fortan werde ich in unregelmäßigen Abständen Filme vorstellen, die ich für die Challenge geschaut habe. Heute: Kalenderwoche Acht – Freaks* (1932).

„Ein Pre-Hays Code Film“ lautete das Thema. Diese Aufgabe war eine perfekte „Über den Tellerrand guck“-Aufgabe, weil ich sonst vielleicht nicht so schnell Interesse an dieser Thematik entwickelt hätte. Pre-Code Filme sind die Filme, die nach Einführung des Tonfilms – Ende der 20er – und vor 1934 gedreht wurden. Hier wurden Gewalt und Sex sehr offen angesprochen und erst nach Einführung des Hays Codes gab es hier Richtlinien, an die sich gehalten werden musste. Nach heutigen Standards sind diese Filme natürlich nicht mehr sonderlich schockierend, aber interessant allemal.

Freaks-01

Ich habe mir für dieses Thema den Film Freaks (1932) ausgesucht. Dieser hat gerade einmal eine Laufzeit von 64 Minuten, weil er damals so viele Menschen schockiert hat und geschnitten werden musste. Leider ist das fehlende Material verschwunden, aber ich hoffe, dass es irgendwann wieder auftaucht. Wie damals bei Metropolis*.

Der kleinwüchsige Hans und seine Verlobte Frieda leben und arbeiten im Zirkus. Hans verliebt sich in die schöne Trapezkünstlerin Cleopatra. Trotz Friedas Warnungen vor Cleopatra überhäuft Hans die schöne Frau mit Geschenken und Komplimenten. Cleopatra nimmt diese gerne an, aber hinter seinem Rücken macht sie sich lustig über den liebestollen Hans. Zusammen mit dem Muskelmann Hercules schmiedet sie einen finsteren Plan.

KW8_freaks

Regisseur Tod Browning hatte selbst einige Jahre im Zirkus gelebt. Mit Freaks wollte er zeigen, dass auch Menschen, die im Volksmund als „Freaks“ bezeichnet werden, Gefühle haben und wie jeder Andere behandelt werden wollen. Sein Film sollte so authentisch wie möglich sein. Darum rekrutierte er echte behinderte und ausgestoßene Menschen in verschiedenen Zirkussen.
Browning war seiner Zeit hier aber leider zu weit voraus und seine Geschichte erntete statt Verständnis und Mitgefühl nur Furcht und Ekel.

In vielen Ländern wurde Freaks verboten und steht bis heute auf dem Index, auch wenn die Handlung und ihre Bilder heute keinen Horrorfilmfan mehr schockieren können. Brownings Karriere war am Ende und er konnte nie wieder an alte Erfolge anknüpfen.

Freaks-02

Mich persönlich hat Freaks sehr beeindruckt und ich werde sicher noch einige Filme aus dieser kurzen Filmepoche ansehen. Fans von American Horror Story sollten hier unbedingt einmal reinschauen, denn AHS: Freak Show hat sich hier natürlich sehr stark beeinflussen lassen. Schade, dass ich mein Review zur Season 4 von AHS ohne dieses Vorwissen schrieb. Wenn ihr nun Lust habt Freaks zu schauen, empfehle ich euch archive.org, denn dort gibt es einen Haufen alter Filme, Dokus oder Trailer gratis und legal zu sehen. Stichwort: Abgelaufenes Urheberrecht. Viel Spaß damit und danke Verena für den Tipp! :)

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5 Comments

  1. Vielleicht schaffe ich es irgendwann, die ganzen Themen der Filmchallenge nachzuholen. Das Thema mit dem Pre-Code hat mich nämlich auch interessiert. Aber diesen Monat habe ich zB erst 3 Filme gesehen, irgendwie steht mir der Sinn momentan nicht danach.
    „Freaks“ hört sich interessant an, generell die ganze kurze Epoche, und danke für den Tipp mit archive.org, da schau ich dann mal rein.

  2. Freaks finde ich auch toll und ich ärgere mich auch über den Schnitt. Das Ende wurde ja leider erst nachträglich eingebaut, um das Ganze noch zu verschönern…
    Ich find die Biografien der Darsteller auch sehr interessant – z.B. Josephine Joseph (Hermaphrodit) oder Daisy und Violet Hilton. :)

    Kleine Anmerkung: ich find’s nicht schön, wenn man von „missgebildeten“ Menschen spricht. Das ist ein recht veraltetes (und ein abwertendes) Wort für behinderte Menschen.

    • Chaosmacherin

      22. März 2016 at 19:56

      @Hotaru, da höre ich dauernd was anderes. Ich habe extra gegooglet und „behindert“ wurde auch überall negativ angesehen. Ich bin da ja relativ nah dran, weil mein Bruder und mein Opa auch behindert waren. Wir haben auch immer das Wort „behindert“ genutz, aber dafür habe ich öfter Kritik geerntet. Ich weiß leider nich mehr was nun richtig ist und was nicht.

      • Definitiv dranbleiben beim „behindert“ bzw. „Menschen mit Behinderung“ (damit der Fokus auf den Mensch an sich liegt und nicht auf die Behinderung). Das Wort hat leider durch die Jugendsprache eine negative Konnotation (=dumm) bekommen und das macht mich wütend.

        Mir gefällt nur das „missgebildet“ nicht. Klingt imho zu verachtend und zu sensationsheischend. Just my two cents. :)

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