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Chaosmacherin

Entfremdet vom Internet

Ich dachte nicht das das jemals passiert. Ich fühle mich im Internet nicht mehr so wohl wie ich mich einmal gefühlt habe. Das ganze Ding war mal sowas wie mein zweites zuhause. Ein Platz an dem ich mir mit verschiedenen, tollen Menschen austauschen kann und an den ich gehen kann wenn die Realität mich mal wieder auf die Nerven ging. Im Moment ist das aber eher andersrum…

Die allgemeine Stimmung im Netz wirkt im Moment sehr angespannt und erdrückt mich. Ich habe das Gefühl das Anfeindungen immer schlimmer werden und höfliche Umgangsformen den Bach herunter gehen. Klar, es gab schon immer Trottel, die Spaß daran haben andere zu beleidigen und Leuten alles schlecht zu reden. In der Regel blieben diese Leute aber anonym. Das heißt, dass sie im Grunde wussten, dass sie etwas falsch machen und versteckten sich hinter ihrer Anonymität. Wir nannten diese Menschen dann Trolle oder Hater und versuchten darüber zu stehen.

troll

Inzwischen ist es aber so, dass sich diese Leute nicht mehr schämen für den Unfug den sie von sich geben und öffentlich mit ihren Klarnamen eine Scheiße von sich geben die einen an der Menschheit zweifeln lässt. Und das macht mir große Sorge.

Es fängt mit kleinen Dingen an. Ich als Individuum habe das Gefühl öfter angegriffen zu werden. Ich habe mich auf Facebook zum Beispiel einer Hörspiel-Gruppe angeschlossen. Diese Gruppe war dazu da zu diskutieren und sich auszutauschen. In meinem ersten Post sprach ich meine Erfahrungen mit der nicht vorhandenen „Political Correctness“ in TKKG an und wollte nur wissen, ob jemand etwas ähnliches beobachtet hat. Die ersten Antworten darauf wahren „Kennst du Wayne ?“, „Und was ist gegen Selbstjustiz einzuwenden!?“ oder „Selten so einen Mist gelesen. TKKG BLEIBT KING“ bestückt mit vielen „Daumen Runter“-Smileys. Ich hab‘ mich gleich super wohl gefühlt… nicht.

Und das passiert in Letzter Zeit häufiger. Ich sage etwas und werde dafür sofort in Grund und Boden gestampft. Das ist richtig hart. Das sind aber wenigstens nur Angriffe auf eine Person und ihre – anscheinend – unpopulären Ansichten. Schlimmer wird es wenn ganze Menschen Gruppen unter dem Hass des Internets leiden müssen.

Das Stichwort „Flüchtlinge“ dürfe ja an niemandem vorbei gegangen sein. Immer mehr Nazi-Idioten finden ihre Stimme und werden Lauter. Viele von denen raffen nicht mal das ihre Ansichten rechts sind und streiten das ab. Andere sind stolz darauf, wenn sie „Nazi“ genannt werden. Es macht mich fertig, was für menschenverachtende Ansichten jetzt einfach wie selbstverständlich in die Welt posaunt werden und dann auch noch Unmengen an Zuspruch bekommen.

Während Homosexuelle immer weiter für Gleichberechtigung kämpfen und kleine und große Siege auf der ganten Welt feiern, lassen sich viele lieber von der Stimmung in Russland anstecken, beschimpfen Menschen als wären sie nichts wert oder werden sogar Handgreiflich. Das macht mich krank!

Das hier ist eigentlich kein „Ich möchte Abstand vom Internet“-Post sondern mehr ein „Ich will das Internet von vor zwei Jahren zurück!“-Post. Aber leider scheint der Abstand einfacher. Der generelle Umgangston geht mir gehörig auf den Sack und ich will doch nur das Menschen empathisch sind und ethisch vertretbar handeln und reden. Das kann doch nicht so schwer sein? Seit doch wieder nett zueinander… :(

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34 Comments

  1. Liebe Mareike,

    sehr gut, dass Du nicht einfach offline gehst, sondern mal was dazu schreibst. Ich glaube nicht, dass sich der Umgangston generell verändert hat, ich wurde zum Beispiel schon vor 15 Jahren in der Schule gemobbt und selbst dafür hatten die damals schon einen Blog angelegt. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die Medien und die breitere Öffentlichkeit dafür Sorgen, dass wir alle sensibilisierter für die Sachen sind. Und so lange wir die Chance nutzen, den Leuten zu zeigen, dass es anders geht, bleibe ich optimistisch, dass die Idioten nicht das Netz übernehmen!
    Viele Grüße
    Michelle

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 10:02

      @Michelle, ja schon, aber das was du hier ansprichst ist das „rL“. Vor dem bin ich damals aber immer ins Internet geflüchtet und wenn ich dort höchst selten mit solchen Leuten in Berührung gekommen bin, dann waren das anonyme „Trolle“ die man einfach wegschweigen oder ignorieren konnte. Heute sind das Leute mit Namen. Vielleicht sogar Leute die man kennt. Und es sind so viele, dass ich sie nicht mehr wegschweigen oder ignorieren kann.

  2. Absolute Zustimmung!

    Besonders das Thema Flüchtlinge spült momentan eine unglaubliche Menge an emphatielosen Dumpfbacken nach oben. Da wird mir wirklich übel, wenn ich nur mal fünf Minuten auf FB oder twitter verbringe …

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 10:03

      @Silent Protagonist, ich habe jetzt schon so oft überlegt mich auf FB zu löschen… Aber andererseits hängt da echt viel dran. :(

  3. Ich kann dich sehr, sehr gut verstehen! Ich hatte auch schon gelegentlich die Erfahrung gemacht – wenn ich etwas nicht toll finde, das alle anderen feiern, muss ich mich teilweise rechtfertigen oder 500mal „das ist nur meine Meinung“ oder „über Geschmack lässt sich nicht streiten“ dazu schreiben (dort, wo es wirklich nur eine Frage des Geschmacks ist). Aber wehe, du weißt darauf hin, dass etwas Heißgeliebtes eigentlich fehlerhaft oder böse ist.
    Dann haben die Menschen sofort den Drang, sich selbst zu verteidigen -.-
    Meine Lösung? Ich habe mir ein eigenes Social Network (eigentlich ein normales Xobor-Forum) gebastelt. Da gibt es kein Gehate, da ich das ziemlich schnell im Keim ersticke und Leute gar nicht erst Wurzeln schlagen lasse, die rechts sind oder nur niedermachen wollen.
    Egal was im Restinternet los ist – ich habe immer noch „mein“ virtuelles Wohnzimmer, da kann mir niemand was <3

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 10:08

      @Evanesca Feuerblut, gut das das für dich mit dem Forum klappt. Für mich wäre das keine Lösung. Die meisten Foren die ich kenne wurden anfangs rege genutzt und dann vergessen. Die Entwicklung des Internets ging irgendwie von Foren weg und hin zu Netzwerken. In so ein Forum würde ich meine Schwester und Co sicher nicht rein bekommen ^^

  4. Du bist da nicht allein. Was man so vom restlichen Internet außerhalb der eigenen Komfortzone erfährt, geht auf keine Kuhhaut.

    Mir wäre es am liebsten, wenn man wenigstens den Kommentarbereich unter Nachrichtenartikeln ausschalten würde oder ihn moderieren lässt… er hat sich ja schon vor langer Zeit zu einer reinen Schmuddelecke entwickelt, in der die Dummen sich austoben können und Aufmerksamkeit kriegen… jetzt ist eben das Maß voll geworden. :/

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 10:05

      @Hotaru, da hast du recht. Und es ist auch ganz egal, auf welcher Art von Nachrichten Seite man da schaut. Von Bild bis Spiegel zur Faz überall treibt sich dieser dumme Abschaum rum.

  5. Vielen Dank, da schreibst du genau meine Gedankengänge nieder. Schön.

  6. Liebe Sumi,

    Ich empfinde es sehr ähnlich. Gerade in Facebookgruppen wird gerne verbal ausgeholt. Ich hatte zu meiner Anfangszeit mal um Feedback zu meinem Blog gebeten, was da kam – ohne Worte. Und ich bin wirklich kritikfähig.

    Auch bei Kommentaren zu Posts ist es fast mutig seine ehrliche Meinung zu schreiben. Das ist mE nicht der Sinn von Kommentaren, aber viele möchten seichten Mainstream.

    Man sollte immer für seine Meinung einstehen. Da gibt es aber solche, die Meinungen vertreten, die ins Extreme abdriften. Dazu möchte ich sagen, dass sich solche Menschen im Internet sehr wohl fühlen. Sie wollen nicht missionieren sondern provozieren oder schockieren. Ich ignoriere so etwas und gehe nicht auf so etwas ein, denn das ist meist das Ziel. Facebook habe ich hinter mir.

    Ganz liebe Grüße, Bee

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 10:49

      @Bee, ich ignoriere diese Leute meistens auch, aber das fällt mir sehr schwer. Ich habe immer das Gefühl ich müsste sie belehren oder überzeugen, aber leider funktioniert das ohne hin nie. :( Es ist wirklich schwierig für mich so eine dumme Aussage einfach unkommentiert zu lassen.

  7. habe gestern aus genau demselben grund facebook erstmal deaktiviert. ich halte den extremismus von beiden enden nicht mehr aus, der permanent in meinen stream träufelt und anscheinend fühlen sich auf einmal irgendwie alle dazu berufen, irgendwem anderen die pest an den hals zu wünschen. wohlgemerkt einer anonymen masse an menschen, von denen man einige jahrelang kennt. niemand versucht mehr, miteinander zu kommunizieren – es wird nur gegeneinander gebrüllt. in die welt hinausgeplärrt, anderen bewusst und beabsichtigt auf den schlips getreten, gekränkt, heruntergemacht. tja – das ist passiert, als das internet vom leicht nerdigen hobby zum breitensport geworden ist. ich hätte es auch gern zurück, wie es vorher war. ich glaube, vielen fehlt das langsame mitentwickeln. während „wir“ blogger uns schon viel länger mit den konsequenzen unserer web-existenz auseinandersetzen und viele schon begriffen haben, dass der internet kein luftleerer raum ist und hier genau so viel und in so einer art etwas sagen, wie sie es auch face to face vertreten könnten, ist diese entwicklung an den meisten, die „nur“ durch soziale netzwerke in die weiten des www gestolpert sind, offenbar spurlos vorbei gegangen.

    irgendwann wird es wieder aufhören und die menschen werden bemerken, dass die fürze (verzeih!), die sie in sozialen netzwerken lassen, sich genauso in ihrer „realität“ bemerkbar machen und dann benehmen sie sich vielleicht wieder – die hoffnung stirbt zuletzt!

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 10:51

      @Paleica, ich habe darüber auch schon oft nachgedacht, aber ich bringe es nicht übers Herz mich von Facebook zu trennen. Da sind so viele Menschen die ich mag und bei denen will ich halt gerne auf dem Laufenden bleiben.
      Ich hoffe du hast recht und irgendwann schwingt das ganze wieder um…

  8. Viel wahres drin, im Text. Von wegen „soziale Netzwerke“: Vielleicht sehen wir nun, dass soziales Miteinanders eigentlich meist recht asozial verläuft; die „neuen Medien“ machen es nun sichtbarer, direkter, ungefilterter. Nicht schön, das, aber wenn man es erkennt, kann man ja was tun. – Nur was?

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 10:54

      @Chris, es gibt da verschiedene Ansätze. Die Idioten ignorieren oder mit ihnen diskutieren. Beides hat schlimme nachteile. Beim Ignorieren ist es so, dass es sein kann, dass so ein Trottel bestätigt fühlt, weil kein Widerspruch erfolgt. Das diskutieren wiederum kann eine ganz schöne Zeitverschwendung sein, je nachdem wie ignorant das Gegenüber ist. Das kann auch ganz schön ermüden. Ich schätze wir müssen warten und hoffen, dass es sich ändert. So lange immer mal wieder dagegenhalten.

  9. Du bringst mit Deinem Artikel meine Gedanken und Gefühle der letzten Wochen und Monate sehr gut auf den Punkt, schöner hätte ich es nicht schreiben können.

    In meiner Timeline geht es ja noch gesittet zu – da waren zwei Kollegen, die plötzlich meinten, auf die Lügenpresse bzw. DoofGIDA-Schiene zu springen. Die Betonung liegt aber auf „waren“. ;-)

    Was ich aber teilweise in den Kommentare bei Zeitungsartikeln und anderen Meldungen sehe, das lässt mich oft schaudern. Da wird braunes Gesülz in einer Art und Weise abgegeben, das ist erschreckend. Wie Paleica schon schrieb, die Extremen der anderen Seite stehen dem aber in nichts nach. Da wird nicht mehr differenziert, nicht mehr abgewogen – es herrscht ein reines Schwarz-Weiß-Denken. Das erklärt auch, warum viele Medien mittlerweile die Kommentarfunktionen auf ihren Seiten einschränken oder ganz abschalten. So traurig das ist, ich kann es verstehen.

    Dazu kommt eine Diskussionskultur, welche zunehmend respektlos ist. Da werden Shitstorms ins Leben gerufen, Menschen gedemütigt, beleidigt – gar bedroht, was das Zeug hält. Das auf der anderen Seite der Leitung auch ein Mensch sitzt, scheint nur noch wenige zu interessieren.

    Diese Art und Weise ist mittlerweile aber nicht nur bei politischen Themen zu sehen, nein – man findet sie überall im Netz. Mein Lieblingsbeispiel ist da das Thema Fotografie. Ein Bereich der durch viele verschiedene Stilrichtungen und unterschiedliche Geschmäcker lebt. Was da von einigen über die Fotos von anderen gesagt wird – das ist einfach nur erschreckend. Da bekommen sich Leute eernsthaft, auf übelste Weise, in die Haare bei der Frage ob der Baum jetzt besser links oder rechts im Bild ist. Das gibt es zwar schon lange, aber der Ton hat sich verändert.

    Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, Facebook komplett den Rücken zu kehren. Leider geht das nicht so einfach. Beruflich muss ich da präsent sein und auch dem Blog bringt es was. Ich habe allerdings mal ordentlich durchgewischt. Ich habe viele Gruppen verlassen, einige Freundeslisten bereinigt und lese bei Zeitungsartikeln die Kommentare gar nicht mehr durch – das macht es ein wenig erträglicher.

    LG Thomas

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 11:10

      @Thomas, Ja, ein bisschen Aufgeräumt habe ich auch, aber wenn’s dann ans Löschen von Familienmitgliedern geht wird das schon wieder schwieriger. :(

  10. Damit bist du nicht allein. Es geht momentan einigen so. DIe 90er sind vorbei. Das Internet ist ein Massenmedium mit all seinen Nachteilen (Hater, Trolle und Konzerne).
    Zu TKKG: Medien sind immer ein Spiegelbild des Zeitgeisters sowie des Autors. Dies lässt sich gut an Tim und Struppi beobachten. Mich wundert es, dass „Tim im Kongo“ heute ohne erklärendes Vorwort verkauft wird. 1931 war es für die belgischen Kolonialherren normal in Afrika auf die Großwildjagd zu gehen und die Einheimischen als rückständige Wilde zu behandeln. In späteren Abenteuern ist glücklicherweise zu sehen, wie sich Hergés Weltbild erweitert. Generell bin ich gegen Änderungen, wie es z.B. bei Pipi Langstrumpf mit dem Negerkönig passiert ist, da die Geschichten immer Zeugen ihrer Zeit sind.

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 11:14

      @Roland, nein, ich finde ändern sollte man das nicht, aber reflektierter heran gehen. Es gibt ja genug Menschen, die ihren Kinden ein Hörspiel anmachen und sie mit den Inhalten alleine lassen. Darüber zu reden ist sehr wichtig. Wobei ich sagen muss, TKKG ist so voll mit negativen Rollenbildern und Stereotypen, dass ich meinen Kindern die alten Folgen nicht unbedingt vorspielen wollen würde.

  11. Glaub mir du bist mit deiner Ansicht nicht alleine, kann dir da in allen Punkten nur zustimmen und bin froh, dass jemand darüber schreibst. Bei manchen Kommentaren die ich derzeit so im Netz lese, kann ich auch nur mit dem Kopf schütteln bin wirklich schockiert. Vor allem was in Bezug auf Flüchtlinge geschrieben wird ist einfach nur traurig. Da verliert man manchmal echt den Glauben an des Gute im Menschen ,vor allem wenn man dann auch noch hört das ein Politiker Morddrohnungen erhält, weil er ja Privat Flüchtlinge bei sich aufgenommen hat. Da kann ich echt nur mit dem Kopf schütteln.

    Doch auch in Blogger Gruppen wird man manchmal ganz schön angefeindet, Beiträge werden regelrecht niedergemacht und der Umgangston verändert sich doch ganz schön. Ist irgendwie schade und ich kann das auch überhaupt nicht nachvollziehen.

  12. Geht mir aktuell ganz genauso. Ich könnte täglich heulen und mache derzeit einen großen Bogen um Facebook und Co., denn die Artiel die da verlinkt werden.. will ich eigentlich gar nichts zu sagen..

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 11:18

      @Katharina, Leute die so rechten quatsch teilen, lösche ich inzwischen kommentarlos. Leider macht das auch bei engeren Bekannten nicht halt.

  13. Mit TKKG hast Du übrigens vollkommen Recht, das sind die gewaltbereiten Reaktionäre der Kinderhörspiele. Tarzan haut in einer Folge auch mal einem aufs Maul, als der ihm seinen Ausweiß nicht zeigen will. ;)

  14. Das was du da beschreibst kenne ich aus diversen Foren, in denen sich Mütter rum treiben. Ich bin jetzt seit fast zwei Jahren Mutter und habe mich tatsächlich noch nicht getraut, einmal dort eine Frage zu stellen. Teilweise wurde mir richtig mulmig und ich hatte ein ganz schlimmes Kribbeln im Bauch, wenn ich gelesen habe, wie Mütter mit der gleichen Frage total fertig gemacht wurden. Auf gemeinste Art und Weise.

  15. Grüß Dich, Sumi.
    Zu argumentieren, eine Diskussion zu führen, oder auch einfach nur zwei durchdachte Sätze hinter einander zu stellen, ist keine Kulturtechnik, die in der offenen Weite des Net condition sine qua non wäre. Viel zu oft geht es simpel nur um Diarrhoe an der Front für Meinungsmache. „Andere Meinungen als die meinige haben keine Existenzberechtigung“, sagen sich hier all die kleinen & großen Wort-Faschisten – womit die Erde wieder die einfache Scheibe wäre!

    Wohl auch mit ein Grund, warum ich angesagte Formen wie Gesichtsbuch meide und mir lieber besondere Bloggs aussuche.

    Humor, getaucht in Sarkasmus, ist weiter ein probates Contra, um Nasen ihre Ungehobeltheit/Dummheit unter die selbige zu platzieren.
    Spruch: „Und was ist gegen Selbstjustiz einzuwenden!?“
    Replic: Der nützliche Verstand, der dir sagt „du kannst dich auch irren!“

    Schlußendlich…versammelten Idioten sollte man/frau das Feld nicht überlaßen, denke ich.

    bonté

    • Chaosmacherin

      16. August 2015 at 11:22

      @RoM, leider bringt bei manchen auch der Sarkasmus und die Schlagfertigkeit nicht mehr viel :/

      • …aber Du hast Deinen Schild somit hochgehalten & gezeigt, daß dahinter ein Charaktermensch steht. Steht, sieht & reagiert.
        Und wie ich an den Kommentaren hier sehe bist Du nicht die einzige Schildträgerin!

        bonté

  16. Die negativen Veränderungen beklagen immer mehr Leute. Ich auch. Auch bei mich treffen die Hasspostings und Kommentare oft ins Mark. Ich muss nicht mal in eine „Diskussion“ verwickelt sein, um mich spontan so unwohl zu fühlen, dass ich Gruppen verlasse oder extreme Leute kategorisch blockiere. Ob bei Twitter, Facebook oder Google+, ich tue mir das nicht mehr an.

    Vielleicht kommt es zu einer positiven Veränderung dieses Phänomens. Gerade beim Thema Flüchtlinge könnte dieser Rückzug allerdings von denen missverstanden und ausgebeutet werden, denen wir diesen Raum aus voller Überzeugung nicht überlassen dürfen. Um unserer selbst willen nicht.

    Du gehörst zur Gruppe der „digital Natives“ und bin bestens so was wie ein „digital Immigrant“. Wenn dieses Gefühl also über diese Altersunterschiede gleichermaßen existiert, gibt mir das Hoffnung. Wir lassen uns von solchen Leuten nicht unser Internet kaputthassen.

  17. Verstehe.

    „Kennst du Wayne ?“
    „Und was ist gegen Selbstjustiz einzuwenden!?“
    „Selten so einen Mist gelesen. TKKG BLEIBT KING“

    Das sind keine Angriffe auf deine Person und in den Boden gestampft kann sich davon auch nur fühlen, wer … besonders empfindlich ist.
    Political Correctness führt nicht zu Liebe, Freude und Heiterkeit.
    Sie führt zu chronischem Furzklemmen, was sich nach einiger Zeit in exteme Frustration steigern kann. PEGIDA etwa ist in erster Linie das Resultat von Political Correctness … beziehungsweise die Bedeutung, die PEGIDA zugemessen wird. Die AfD hätte ohne Political Correctness nie etwas werden können … der Amoklauf des sogenannten „Third-Wave-Feminism“ in sozialen Medien kann auch den verständnisvollsten Kuschelpuschel über Nacht zum Misanthropen machen.

    Nett zueinander sein ist die Kür und nicht die Pflicht. Gedanken- und Sprechverbote, so gut sie auch gemeint sein mögen, werden auf Dauer immer zu unkontrollierter Entladung von Unmut führen. Das ist einfache Psychologie.
    Meine persönliche Erfahrung mit dem Internet der letzten 10-12 Jahre hat mich überdies gelehrt: umso besser die Umgangsformen einer Community, desto größer die Abneigung gegen alles Reibende und Andersartige. Du hast andere Erfahrungen gemacht, wie es scheint … oder einfach dir nie die Mühe, jenseits deiner „Comfort Zone“ zu schnorcheln, was ich, wenn’s so sein sollte, gut verstehen kann. Trotzdem kannste deine „Comfort Zone“ nich auf die ganze Welt ausdehnen wollen. Funktioniert nich. Hamm viele versucht, mit allen denkbaren Mitteln … is bislang immer gescheitert.

    TKKG war nie mein Lieblingshörspiel. Ich fand insbesondere Tim immer ausgesprochen arrogant und unsympathisch … ein selbstgefälliges, halbstarkes Arschloch.
    Dennoch muß ich demütig zur Kenntnis nehmen, daß der in TKKG verübte Umgangston mitnichten unrealistisch ist … gestern nicht, heute nicht und morgen auch nich.

    • Chaosmacherin

      22. Oktober 2016 at 21:51

      Spätestens an dieser Stelle wird klar: Das mit uns beiden wird einfach nichts, denn ich bin und werde es vermutlich auch immer bleiben, eine hoffnungslose Idealistin. Ich halte es für erstrebenswert immer den möglichst freundlichsten Weg zu gehen. Political Correctness ist für mich der einzig richtige weg und wenn ich nicht die Hoffnung hätte mit Freundlichkeit etwas erreichen zu können, dann wäre ich wohl nicht mehr hier. Ich bin mit Leib und Seele Social Justice Warrior und wenn ich daran nicht halten kann, dann will ich an gar nichts halten. Ich lasse mir meinen Lebensstil und meine Entscheidungen nicht schlecht reden. Ist mir auch völlig schnuppe, wie viele versucht haben die Welt besser zu machen und es nicht geschafft haben, denn wenn wir auf hören zu versuchen sind wir verloren. Empathie und emotionale Intelligenz sind meine größten stärken und ich bin stolz darauf. Ich bleib dann gerne in meiner „Comfort Zone“ danke.

  18. Bestürzend.

    Aber auch irgendwie spannend.

    Wenn wir zwei beide es schaffen sollten, uns gegenseitig zu akzeptieren … ohne uns dabei konsequent zu ignorieren … wäre das ein Beleg für die Machbarkeit des Unvorstellbaren.

    Ich wäre zu einem solchen Versuch bereit. Hab noch nie eine waschechte SJW kennengelernt. Solche Gelegenheiten muß man beim Schopfe packen (nein, das war keine Vergewaltigungs-Androhung).

    Was meinste? Machste mit? Oder biste ebenso unflexibel und vorurteilsbehaftet wie es der Ruf deiner Bewegung vermuten läßt?

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