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Das Manic Pixie Dreamgirl

Es liegt in der Natur eines Filmfans, dass er im Laufe seines Lebens auf das eine oder andere „Trope“ stößt. Ein Trope ist ein wiederkehrendes Muster, das man in diversen Medien finden kann. Es ist ähnlich zu sehen wie ein Klischee allerdings mit einer weniger negativen Konnotation. Ein Trope ist mehr ein Werkzeug, das sich clever einsetzen lässt, während ein Klischee eher für die Faulheit des Autors spricht. Eines meiner liebsten Tropes ist das „Manic Pixie Dream Girl“ und das möchte ich euch heute vorstellen.

Ich sehe mich selbst als Feministin. Wenn ich von Feministen rede, rede ich nicht von den männerhassenden Frauen die denken es sei nun an der Zeit, dass Frauen Männer in ihre Machtposition ablösen, sondern ich rede von der Gleichheit aller Geschlechter. Trotzdem kann ich mich nicht davon frei sprechen sexistische Witze manchmal lustig zu finden. Ich meine, ich bin ein riesen Fan der Serie Archer… Aber das ist ein anderes Thema. Als feministisch denkende Frau wäre es eigentlich meine Aufgabe das „Manic Pixie Dream Girl“ richtig kacke zu finden, weil sie einzig dazu da ist, die männliche Hautrolle einer Geschichte zu unterstützen. Tue ich aber nicht. Das MPDG ist sogar eines meiner absoluten Lieblingstropes.


Was ist ein Manic Pixie Dream Girl?

Während das Bild des MPDG schon ewig existierte und schon Katharine Hepburn in Bringing Up Baby* (1938) diesen Archetyp verkörpert, wurde der Begriff erst 2007 von Nathan Rabin geprägt. In seinem Review zum Film Elizabethtown*, kritisiert er die von Kirsten Dunst gespielte rolle und beschreibt die rolle wir folgt:

„that bubbly, shallow cinematic creature that exists solely in the fevered imaginations of sensitive writer-directors to teach broodingly soulful young men to embrace life and its infinite mysteries and adventures.“

manic_dunst

Es geht also um Frauen, die nur dazu da sind um den sensiblen männlichen Hauptprotagonisten mit ihrer kindlichen und positiven Lebensart auf den rechten Weg zu führen. Frauen die geradezu fehlerlos sind und in gewisser Weise auch kein eigenes Leben zu führen.

In zwischen hat die Bedeutung der, von Rabin ins Leben gerufene, Bezeichnung sich stark verändert, denn während er eigentlich auf das negative, abgenudelte Frauenbild in vielen Filmen aufmerksam machen wollte, wurden plötzlich alle Quirligen Frauen in Filmen als MPDGs bezeichnet. Rabin bereut, dass er das Trope geprägt hat und distanziert sich von der heutigen Benutzung.

Fälschlicher Weise wird nämlich auch (500) Days of Summer* als Beispiel für den Einsatz eines MPDG genutzt. Auch ich habe das immer so gesehen, denn schließlich ist Zooey Deschanel sowas wie die Mutter aller Manic Pixie Dream Girls. Als Summer kleidet sie sich wie das typische MPDG und hat auch sonst sehr viele passende Eigenschaften aber sie ist sicherlich nicht die leere Figur, die nur dazu da ist den männlichen Hauptcharakter glücklich zu machen. Wer genaueres dazu wissen will, sollte sich einmal das folgende Video von Mo Mo O’Brien ansehen. Sie erklärt das sehr schön. Aber Vorsicht, natürlich wird die Handlung von (500) Days of Summer hier gespoilert.

Leider ist es mit Tropes aber wie mit vielen Dingen im Leben, wenn es zu oft falsch genutzt wird, verändert sich die Bedeutung und die falsche Nutzung wird – im Glauben der Allgemeinheit – zur richtigen. Ich denke da z.B. an das sogenannte „Idiotenapostroph“, das gerne mal beim Genitiv genutzt wird. Da wird aus „Großmutters Apfelkuchen“ dann „Großmutter’s Apfelkuchen“. Das wird so oft falsch gemacht, das es dadurch schon fast wieder richtig ist, auch wenn der Duden das Genitiv-Apostroph nur in Sonderfällen erlaubt (§ 97E).

Also gilt nun eben auch Summer als MPDG. Genauso wie Amélie aus Die fabelhafte Welt der Amélie* oder viele andere, die nicht in die ursprüngliche Idee des Tropes passen.

“Too many guys think I’m a concept, or I complete them, or I’m gonna make them alive. But I’m just a fucked-up girl who’s lookin’ for my own peace of mind; don’t assign me yours.”
— Clementine, Eternal Sunshine of the Spotless Mind.


Wie sieht ein Manic Pixie Dream Girl aus?

Wenn ein Manic Pixie Dream Girl im Film verschiedenfarbige Socken trägt, dann ist das süß und kreativ und liebenswürdig. Wenn Leute sehen, dass ich fast nie passende Socken trage, weil ich zu faul bin sie zusammen zu suchen, halten sie mich für verrückt und entdecken ihren inneren Monk.

Das MPDG trägt super gerne bunte, auffällige Klamotten. Besonders gerne Sommer- oder Cocktailkleider. Dazu bunte Strumpfhosen, Chucks oder Ballerinas und eine überdimensionale Jacke. Sie ist zierlich und Mädchenhaft und hat ein bisschen etwas von einer Fee. Gleichzeitig hat sie aber auch die perfekte Portion Wildfang in sich. Wichtig ist, dass es immer ein auffälliger Stil ist, der aber nie die niedliche Weiblichkeit versteckt.

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Ein bisschen „Nerdiness“ kann auch nicht schaden, also her mit der Nerdbrille und dem grade geschnittenen Pony. Und wenn die Lady einmal nicht weiblich gekleidet ist, dann nur weil sie gerade sein Hemd (und sonst nichts) trägt oder ein Printshirt mit dem Logo seiner Lieblingsband.


Wie wird ein Manic Pixie Dream Girl charakterisiert?

Unser Manic Pixie Dream Girl lebt nur für den Mann an ihrer Seite. Damit man das aber nicht sofort merkt, strahlt sie trotzdem eine gewisse Art von Unabhängigkeit aus. Sie muss selbstbewusst sein, denn schließlich trägt sie super auffällige Kleidung. Alle ihre Hobbies sind künstlerischer Natur. Sie Zeichnet, spielt Ukulele und hört ganz zufällig die gleiche Musik wie unser männlicher Hauptprotagonist. Meistens geht der irgendwie in die Indie-Richtung oder sie steht total auf Rockmusik die älter als 20 Jahre ist.

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Sie sieht die Welt mit den Augen eines Kindes, unschuldig und optimistisch. Damit eröffnet sie ihrem Herzmann eine ganz neue Welt. Sie bringt ihn dazu neues zu probieren und Abenteuer zu erleben. Sein pessimistisches, dunkles Weltbild wird durch sie zerrüttet und er sieht wieder Sinn in seinem Leben. Dieses kindische Auftreten lässt sie für die Außenwelt immer etwas verrückt wirken, aber gerade nur so viel, dass man es irgendwie auch niedlich findet und es für eine liebenswürdige Eigenschaft hält.

Die Exfreunde des Manic Pixie Dream Girl sind immer ein bisschen „Shady“ und passen genau so wenig wie die männliche Hauptfigur zu ihr. Sie sind Soldaten, kriminelle oder doppelt so alt wie das MPDG. Eigentlich hat man aber das Gefühl, das niemand so richtig zum MPDG passt, denn sie ist und bleibt eine ausgedachte Figur, die in ihrer Unperfektheit einfach viel zu perfekt ist.


Hast du Filmtipps zu diesem Trope?

Auch ich kann mich der Liebenswürdigkeit des MPDG nicht entziehen. Sie wurde schließlich zum gern haben geschrieben. Ich finde das auch komplett in Ordnung, solange wir erkennen, dass es sich um fiktive Figuren handelt und niemand von uns perfekt ist. Hier also ein paar Filmtipps für euch. Nicht alle passen perfekt in die Schablone des Manic Pixie Dream Girls aber „you’ll get the idea“.

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12 Comments

  1. Das Problem ist doch, dass Summer in 500 Days zwar dem Ideal entspricht, aber nur rein äußerlich. Der Charakter selbst unterwandert den Typ ja völlig (bzw. auch wieder nicht – ihr Freund – Spoiler – ist ja nur nicht ihr Typ – Spoiler Ende).

    Verwünscht bringts auch gut auf den Punkt. Super Film, nebenbei.

    Ich fand das sehr schade, dass Zooey sich so sehr auf den Typus festgelegt hat. In Filmen, wo sie komplexere Rollen spielt, ist sie viel besser. Winter Passung z.B.

    Als Filmtipp: Almost Famous, Happy Go Lucky.

  2. Ich bin ein klassisches MPDG-Opfer und stehe meisten auf sie. Penny (Auf der Suche nach einem Freund….) ist dafür ein perektes Beispiel. Den Film sollte übrigens jeder gesehen haben.

    Felicia Day hat sich als MPDG positioniert und es sich zur Marke gemacht. Auch bei ihr bin ich wieder ein Opfer. Wenn sie wirklich so ist, wie sie sich gibt, will ich ihr bester Freund sein. ;)

  3. Hmm.. ich bin mir irgendwie nicht sicher ob ich die Manic Pixie Dreamgirls mag. Das schwankt meistens zwischen einer Mischung aus „Oh man die ist so süß, ich will auch so sein!“ und „Boah wie nervig-naiv-klischeehaft“. Ich denke, mit dieser kindlichen Weltanschauung und Problemlösungsstrategie kann ich einfach nicht so viel anfangen, damit kann ich mich nicht gut identifizieren, deswegen hab ich meine Probleme mit diesem Trope. Vom Kleidungsstil und Aussehen her finde ich die MPDGs aber meistens auch sehr süß :)

  4. Sumi, ich höre das erste mal von MPDG-Phänomen. Sehr interessant, von deinen vorgestellten Filme kenne ich nur „Verwünscht“. Der hat schon eine märchenhafte Komponente und da kann ich dir natürlich ganz folgen, dass die Protagonistin diesem Bild des MPDG entspricht.

    Ich denke gerade nach, welche Filme mir noch einfallen. Auf jeden Fall die Vater der Braut Filme mit Spencer Tracey – ein Oldie.

  5. Vielleicht ist genau das das Problem, dass es keine ganz saubere Definition gibt. Nathan Rabin beschrieb das MPDG ja als eigentlich nicht existente, flache Figur, die nur dafür da ist, damit es dem männlichen Hauptdarsteller besser geht. Aber viele deiner Beispiele zielen ja eher auf einen gewissen Typ Frau ab, der ja trotzdem Fehler hat und menschlich ist. Und diesen Typ gibt es je tatsächlich.
    Ich würde aber die Definition gar nicht so sehr auf die Äußerlichkeiten festlegen, sondern eher auf ein „state of mind“. Ist Nathalie Portman in „Garden State“ ein MPDG? Und die von dir zitierte Clementine? Und: Gibt es den Manic Pixie Dream Guy?

    • Chaosmacherin

      30. Juni 2015 at 14:22

      @Fabian, Nathalie Portman in „Garden State“ wird auf jeden Fall in diese Schublade gesteckt. Natürlich gibt es immer Abweichungen und das Aussehen ändert sich mit der Zeit. Eine Audrey Hepburn war ja auch komplett anders gekleidet als eine Zooey Deschanel. Und eine Ramona Flowers sieht ja auch nicht aus wie eine Summer. Aber es geht schon in eine bestimmt Richtung. Clementine und Sam sind schon MPDGs weil sie in das quirlige Bild passen und zumindest Sam ihren Partner auf einen anderen, lebensfroheren Weg führt. Nur kommt da wieder die frage „Sind sie nur für ihren Mann da?“ eher nicht.

  6. Irgendwo habe ich neulich schon mal vom Manic Pixie Dream Girl gelesen – wenn ich nur noch wüsste wo das war… Auf jeden Fall war es ein sehr kritischer Artikel, dessen Meinung ich auch teile. Trotzdem kann ich mich dem Bann des MPDG nicht entziehen! Ich schwanke immer zwischen „Super nervig und zu klischeebeladen“ und „irgendwie süß“. Je nach Figur!
    Und könnte Juno da nicht eigentlich auch zu zählen?

    • Chaosmacherin

      9. Juli 2015 at 9:14

      @Lina, viele zählen Juno dazu :) Ich persönlich finde das passt nur bedingt. Juno ist ja die Hauptperson in ihrem Film. Sie ist sogar namensgebende Figur und trifft ihre eigenen starken Entscheidungen. Trotzdem hat sie die Optik und viele Eigenschaften des MPDGs.

  7. Ich muss mich auch als schuldig bekennen – ich mag MPDGs! Besonders der Kleidungsstil, der rein zufälligerweise auch meinem eigenen sehr entspricht. :D Als weitere Filme kann ich dir quasi alles mit Zoe Kazan ans Herz legen – In Your Eyes, The Pretty One oder What If, obwohl sie in allen Filmen mehr als das typische MPDG verkörpert. Super ist auch Don Jon, obwohl sich über die Manic Pixie Dream Girl-ness von Scarlett Johannson streiten lässt.

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