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WTF? TKKG die rassistischen Profis in Spe?

Noch nicht ganz zwei Wochen hat mein neuer Kollege bei uns gearbeitet, als er auf meinem Blog von meinem Kassetten-Digitalisierer las. Am nächsten Tag brachte er mir eine Kiste voll mit Hörspielen mit! Ich habe ich riiiesig gefreut. Die drei ???, Fünf Freunde und auch einige Folgen TKKG brachte er mir mir.

Als ich zuhause ankam fing ich gleich mit dem Digitalisieren an. Unter anderem hörte ich eine TKKG Folge. Nummer 45 „Unternehmen Grüne Hölle“. Ich dachte an nichts böses und mich erwartete das rassistischste Hörspiel seit „Robinson Crusoe“.

Vielleicht übertreibe ich ja ein bisschen, aber andererseits denke ich wenn’s um Rassismus geht kann man nicht empfindlich genug sein.
Es fing damit an, dass Tim und seine Freunde über Obdachlose nur als „Penner“ sprachen. Der VatikanKlopper vermutete, das sei halt unter jugendlichen so. Ungewöhnlich war aber, dass auch der Erzähler Günther Dockerill so über die Menschen sprach.

Entsetzt war ich aber erst über die Beschreibung der Bösewichte. Arabar waren sie. Mit „tief braunen Teint und eine Hakennase“. Tim erklärt seinen Freunden an einer Stelle „Dieses Schutzbedürfnis vor tatsächlichen oder eingebildeten Feinden gehört zum arabischen Wesen!“ und generell wird mit Klischees um sich geworfen das einem die Ohren nur so piepen.

„Sie haben Revolver!“ „Aufpassen, Tim! Ein Arabar!“

Das Hörspiel stammte aus dem Jahr 1987, ein Jahr vor meiner Geburt. Ich dachte immer die Welt wäre zu diesem Zeitpunkt deutlich weiter gewesen allerdings war ich da wohl etwas naiv.

Ich habe ein bisschen recherchiert und noch ein paar, interessante Artikel gefunden, die alle schon einige Jahre alt sind. Unter anderem dieser hier: „Sexismus, Rassismus, Fat Shaming, Anti-Semitismus und überhaupt bei TKKG“ und noch besser dieser hier „TKKG: Für Kinder eher ungeeignet„. Besonders die Punkte Selbstjustiz, Frauenbild und „Zigeuner“ finde ich interessant. Auch Punks kommen bei TKKG nicht besonders gut weg.

barbiespartyamstrand

Die Kids von TKKG sind aber nicht alleine mit ihren engstirnigen Weltansicht. Kürzlich hörte ich auch „Barbies Party am Strand“ da tauchen auf Barbies Party ein paar Punks auf Motorrädern auf. Schon bevor Punks einen Mucks von sich gegeben haben sind Barbie, Skipper und ihre Freunde entsetzt und sind sicher, dass die Jungs die Party crashen werden. Einer von Barbies Kumpels meint „Das Haar ist bunt, das Hirn ist krank, was kann das sein? Ein PUNK!“…

Ich bin jetzt ganz gespannt ob mir das ganze noch in einem anderen Hörspiel so stark auffällt. Habt ihr auch schon mal eine Geschichte aus eurer Kindheit gelesen oder gehört und wart ganz entsetzt das sowas Kindern vorgesetzt wird?

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27 Comments

  1. Ich habe deine Tweets dazu mitbekommen. Lese gleich den Artikel.

  2. Es ist halt so, dass , man sich an diese Dinge nicht oder kaum erinnert. Der eine war halt immer dick und wurde verarscht, aber es gibt auch ne Folge, wo seine Mutter immer einen Vegetarier zu Besuch hat und der gnadenlos fertig gemacht wurde. Bei meiner Mutter und mir heißt es immer noch „Artischocken!!!“ (mit affektierter, hohen Stimme ausgerufen), wenn wir die essen (und mein Vater versteht es nicht). Der Typ wurde auch so ein wenig cliche-homosexuell dargestellt. Naja. Andere Zeit. Damals wurde noch gerne über abweichende Lebensstile gelästert (was es nicht rechtfertigt). In der Grundschule nannte ich als Berufswunsch mal „Punk“ (fand die Haare toll und liebte Motorräder). Das war so 90/91. Da gab richtig Stress. Mein bester Freund durfte nicht mehr neben mir sitzen (Lehrereltern! Später ging sein Leben dann den Bach runter), es wurde eine Stunde im Stuhlkreis diskutiert, Eltern angerufen etc. etc. Bestimmte Bezeichnungen für Menschen anderer Hautfarbe waren normal usw. Das änderte sich so Anfang der 90er Jahre. Heute sind wir zum Glück sensibler. In meinem Umfeld sprach aber niemand bösartig über Ausländer. Es war eher so, dass man dachte, in Afrika hungern alle, im „Orient“ wären alle Menschen weise und würden Turban/Schleier tragen. Eine Zeit vor der Vernetzung. Man kannte fremde Kulturen von Karl May und Hergè. Heute merkt man, wie naiv man war.
    Ich würde meinen Kindern die Hörspiele/Bücher etc nicht vorenthalten, sie eher mit ihnen hören (wie meine Mom) und aufklären. Andererseits kommts aufs Kind an und ich verstehe auch, wenn manche Personen da anders handeln würden. Inzwischen gibt es ja andere Hörspiele, andere Bücher.

  3. Wirklich interessanter Artikel und auch danke für die Verlinkungen :) Ich bin zwar erst 99 geboren aber TKKG gehörte auch mit ihren Kassetten zu meiner Kindheit, mir ist das wirklich nie aufgefallen aber da war ich ja auch etwas kleiner^^ Auch geschädigt hat mich das jetzt im Nachhinein nicht :) Trotzdem krass was einem teilweise auffällt wenn man sich Sachen aus der Kindheit noch einmal genauer ansieht :D

  4. Das war grad auch Thema in meinem Lieblingspodcast: http://youtu.be/2qbhUOGiEKU -ab 28:20 min. :D Und ist mir vorher nie so bewusst gewesen. Früher ging man einfach anders damit um, besser war es sicher nicht. Ob man nun den Negerkönig bei Pippi Langstrumpf ändern muss? Weiß ich nicht. Bei TKKG finde ich es schon schwieriger. Die Sichtweise über Araber („Ölaugen“), Punks und die Rolle der Frau… gnah!! Beeinflusst hat es mich glaub ich nicht, würde ich behaupten. Aber wenn ich Kinder hätte, würde ich denen heute tatsächlich nicht unbedingt TKKG geben.

    Werde die Links mal morgen mit mehr Zeit genauer lesen, finde das sehr spannend!

  5. Toll ist es auch immer, wenn „Chinesen“ in den Folgen vorkommen ..

    Nee, TKKG ist da echt ganz schlimm und für mich heute wegen solchen Fehltritten und dem vermittelten Frauenbild (Gabi bleibt immer zu Hause, weil ist ja alles viel zu gefährlich für Mädchen) auch unhörbar.

  6. Ich habe diese Beobachtung auch schon öfter gemacht. Mein Lieblingsbuch ist bis heute Tom Sawyer und kenne nur meine Version, die immer noch in meinem Bücherregal steht. Meine Version ist aus den 1970ern und ist meines Wissens nach ungekürzt und ungeschönt. Die Geschichte wurde 100 Jahre vorher veröffentlicht und die Sklaverei war gerade per Gesetz abgeschafft worden. In dem Buch ist der Kontrast zur heutigen Gesellschaft noch größer und der Rassismus wesentlich heftiger. Die Darstellung des Alltagsrassismus war beabsichtig. Es wird heute kritisiert, dass Twain das „N-Wort“ in vielen Varianten benutzte. Allerdings waren diese Begriffe üblich im täglichen Gebrauch. Tarzan (Tim), Karl und Klößchen und Gabi sind natürlich wesentlich greifbarer, weil deren Geschichten vor rund 25 Jahren erzählt wurde. Als Zeuge der Zeit kann man die Geschichte und ihren Rassismus stehen lassen, weil sie ein Spiegel der Zeit ist. So lange dem Konsumenten der Rassismus auffällt und er sich darüber Gedanken macht, ist alles in bester Ordnung.

    Das Gleiche gilt selbstverständlich für viele andere Themen unserer Zeit. Ich empfehle mal die Verfilmung von „Das fliegende Klassenzimmer“ aus dem Jahre 1973 und mal auf die political Correctness zu achten.

  7. Liebe Mareike,

    du meinst, wenn es um Rassismus ginge, könnte man nicht empfindlich genug sein? Das ist in der Nachkriegszeit ein typisch deutscher Gedanke. Hier in Deutschland wird ja jeder, dessen Aussage – egal ob ernst oder im Spaß geäußert – auch nur entfernt als rassistisch interpretiert werden könnte, gleich mit dem Etikett „Nazi“ versehen. So wurde etwa Herr Möllemann – der abseits davon ohne Zweifel genug Dreck am Stecken hatte – nach seiner Kritik am damaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon als Antisemit beschimpft. Und auch mir blieb es nicht vergönnt, in die rechte Schublade gesteckt zu werden, was völlig absurd ist, wie alle meine ausländischen Freunde (darunter auch eine Israelin) bestätigen werden. Offiziell gibt es in Deutschland das Recht auf freie Meinungsäußerung, aber tatsächlich darf man eben nicht alles sagen, sonst wird man ganz schnell diffamiert. Und kaum jemand echauffiert sich darüber …

    Und an alle, die ihren Kindern Informationen (denn auch ein TKKG-Hörspiel ist ein Konglomerat aus Informationen) vorenthalten wollen: Ein solches Verhalten halte ich für deutlich faschistischer als die Betitelung als „Neger“. Diese Art von Gleichschaltung widerspricht völlig meiner Ansicht, dass Meinungspluralismus eine Gesellschaft voranbringt.
    Im nächsten Jahr darf „Mein Kampf“ wieder verlegt werden, nachdem der Freistaat Bayern es so lange zurückhielt. Mir erscheint das als Gewinn. Nicht etwa, weil ich es – ohne es bisher gelesen zu haben – für großartige Lektüre hielte, nein, ganz im Gegenteil, sondern weil nun endlich dieser Mythos als das entlarvt wird, was es ist: ein Haufen aus der Luft gegriffener, inkonsistenter und menschenfeindlicher Thesen und Parolen. Endlich kann sachlich darüber geredet und es argumentativ als Humbug geoutet werden. Das funktioniert aber nur, wenn es auch gelesen wird.

    Fazit: Rassismus? Nein, danke! Über Prävention und Gegenmaßnahmen sollte aber in moralisch ethischer Sicht diskutiert werden, damit nicht guter Wille in Diskriminierung abgleitet. Jeder sollte seine Meinung äußern dürfen, auch wenn man selbst diese nicht teilt.

    • Chaosmacherin

      2. Juni 2015 at 22:22

      @Stefan, du machst es mir gerade sehr schwer die zu antworten. :D Aaalso. Ja, ich finde bei Rassismus kann man nicht empfindlich genug sein. Ich finde das auch gut, dass das ein „typisch deutscher Gedanke“ ist. Denn Rassismus ist schlecht. Was du hier miteinander vergleichst sind zwei paar Schuhe. Ein mal der Rassismus, von dem ich sage, dass man darauf nicht empfindlich genug reagieren kann und einmal Rassismus der einem vorgewurfen wird, aber keiner ist. Ich zum Beispiel ordne mich politisch ganz klar eher Links ein. Und auch mir wurde schon Rassismus vorgeworfen. Ich hatte einen Fotoblog mit sexy Frauen und weil dort keine schwarzen Frauen gepostet wurden (reiner Zufall), wurde ich als Rassist beschimpft. Das ist etwas anderes als wenn ich gesagt hätte „Ich will hier keine schwarzen Frauen posten!“ das wäre rassistisch.

      • Zunächst möchte ich anmerken, dass ich es schön finde, dass du den argumentativen Dialog nicht verweigerst, wie es viele andere getan hätten.

        Weiterhin ist zu sagen, dass, bevor klar ist, ob es sich um Rassismus handelt, dieser Rassismus erst einmal identifiziert werden muss, d. h. die Frage: „Handelt es sich hierbei um Rassismus?“ muss beantwortet werden. Oftmals ist die Antwort darauf klar, in manchen Fällen wird diese Frage aber eben auch von verschiedenen Personen unterschiedlich beantwortet. Was manche als Rassismus sehen, ist für andere noch lange nicht rassistisch. Dein Beispiel mit dem Fotoblog verdeutlicht das ja. Und wo muss man jetzt die Grenze ziehen? Sicher nicht am empfindlichsten Rand, denn sonst wird dir eben immer wieder Rassismus vorgeworfen. Das ist sicher nicht das, was du möchtest und für sinnvoll hältst, oder?

        • Chaosmacherin

          3. Juni 2015 at 11:35

          @Stefan, die Grenze ist doch ganz einfach. Sobald jemand degradiert, benachteiligt oder in Klischees gesteckt wird ist das rassistisch. Es gibt ja durchweg auch positiven Rassismus. „Schwarze können alle Tanzen“, „Alle deutschen sind pünktlich“. Der ist sicher nich ganz so schlimm, aber er bleibt Rassismus. Mit mir fragst du da die falsche mit deiner letzten Frage, denn ich bin da sehr sensiebel und bemühe mich immer um political correctness. Lieber einmal zu vorsichtig, als einmal zu trampelig und rassistisch.

          • Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Wenn ich sage: „Afrikaner sind stärker pigmentiert als Europäer“, ist das dann rassistisch? Zumal diese Aussage, wenn man sie nur entsprechend interpretiert, durchaus falsch sein kann, da etwa ein Großteil der Südafrikaner hellhäutiger ist als etwa Mo Asumang (Deutsche) oder David Alaba (Österreicher). Bis wohin sind also Aussagen Klischee und wo beginnen die Fakten? Ist, um solchen Aussagen das rassistische Moment zu nehmen, stets zwangsläufig eine Statistik oder gar deren mehrerer notwendig? (Und wer garantiert überhaupt für die Richtigkeit von Statistiken?) Ist es rassistisch, wenn Menschen ihren Erfahrungen, die sie gemacht haben, verbal Ausdruck in einer verallgemeinernden Aussage verleihen, auch wenn sie diese nicht mal zwangsläufig auf alle beziehen? (Meiner Erfahrung nach – auch wenn ich dafür ebenso keine Statistik zu Rate ziehen kann – sagen Menschen nicht immer das, was sie meinen und meinen nicht immer das, was sie sagen.) Ist es rassistisch, wenn man Rassismus in Witzen verwendet? Ich persönlich halte es da mit Serdar Somuncu und behaupte: Jeder hat ein Recht auf Diskriminierung. Insofern mache ich mich auch über jeden und alles lustig, ohne auf die dumpfe political correctness zu achten. Eine solche schränkt nur ein, ich beharre aber auf meiner Freiheit der Meinungsäußerung. Und wie schon Hans A. de Boer sagte: Provokation tut not.

          • Chaosmacherin

            3. Juni 2015 at 16:18

            @Stefan, wie gesagt, für mich ist diese schwelle sehr gering. „Jeder hat ein Recht auf Diskriminierung.“ Ja, aber ganz sicher nicht wegen Herkunft, Hautfarbe oder sonstiger nicht beeinflussbarer Aspekte. Deshalb ja, es ist rassistisch, wenn man Rassismus in Witzen verwendet. Finde ich nicht okay. Rassistisches Gedankengut ist deshalb für mich auch keine Meinung, die man dank freier Meinungsäußerung vertreten darf, sondern einfach falsch. Du wirst mich da auch nicht von etwas anderem überzeugen können.

          • Ich persönlich halte es für rassistisch, wenn man Rassismus als Thema von Witzen ausschließt, da es bereits eine Ungleichbehandlung voraussetzt.
            Und das Beharren auf dem eigenen Standpunkt („Du wirst mich da auch nicht von etwas anderem überzeugen können.“) versprüht schon einen Funken von ideologischem Dogmatismus, auch wenn du dich gegen diese Formulierung wehren wirst. Aber frage dich: Kennst du alle Argumente, die ich vorbringen könnte? Sicher nicht. Wie kannst du dann wissen, ob ich dich nicht von etwas anderem überzeugen kann, sofern du dich nicht gegen Argumente sperrst? Ein weltoffener Mensch sollte diesen Satz (den zitierten) aus seinem Gebrauch streichen.

            Anderes Beispiel: Ist es okay, wenn Serdar Somuncu Hitlerwitze macht? Falls ja, warum das? Weil er türkischstämmig und nicht rein deutsch ist? DAS wäre Rassismus.

          • Chaosmacherin

            3. Juni 2015 at 22:20

            „Du wirst mich da auch nicht von etwas anderem überzeugen können.“
            Ist für mich ein Satz der signalisieren soll, dass ich finde diese Diskussion führt zu nichts, weshalb ich keine Lust mehr darauf habe. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, da hat ja nich mal „Rasse“ was mit zu tun. Sturheit vielleicht, aber dazu stehe ich auch.
            Ich verweigere mich nicht generell Diskussionen und den Argumenten anderer. Aber bei diesen Thema ergibt es für mich keinen Sinn weiter darauf rum zu reiten, weil ich lange lange darüber nachdachte und meine Meinung tatsächlich für die richtige halte. Lustiger Weise ist das ja nicht meine erste Meinung zu dem Thema, ich hab da auch ne Vergangenheit, aber es wird ganz sicher die letzte sein. Ich wurde also schon mal überzeugt. Ich spare dir also theoretisch Zeit. :D Hätte ich darüber nicht reden wollen, hätte ich dir nicht geantwortet. Aber da ich das Gefühl habe, dass keiner von uns den anderen überzeugen kann, spare ich mir das ganze lieber um keine Zeit zu verschwenden.

            Hitlerwitze darf übrigens meiner Meinung nach jeder machen, denn die stützen sich nicht auf seine Herkunft oder ähnliches, sonder auf sein verkorkstes Weltbild.

  8. Hach ja, wenn man Kindheitserinnerungen rausholt und dann feststellt, dass einem Hören und Sehen vergeht, je nach Medium (Buch, Film, Hörspiel…), das kenne ich. Und auf einmal wird aus der unterhaltsamen Geschichte etwas, wo du jedes Mal, wenn du erzählst, dass du das und das gehört oder gelesen hast ein „Aber da war ich noch ein Kind und habe nicht kapiert, dass“.
    Ich war nie ein Hörspielmensch (entweder Buch oder Film, aber irgendwie nie oder nur sehr selten Hörbuch), aber es gibt ja die ganzen Jahre über genug Debatten (Pipi Langstrumpf, die kleine Hexe…).
    Leider ist auch ein scheinbar nettes Franchise vor Rassismus nie sicher, siehe z.B. hier: http://umstandslos.com/2014/02/03/rassistischebibi-oder-das-feuerrote-nashhorn-ein-kolonialmarchen/

  9. Interessant – TKKG habe ich früher tatsächlich nie gehört, weswegen ich das gar nicht so auf dem Schirm hatte.

    Die Frage ist halt, wie man heute mit Literatur (im weitesten Sinne ;) ) umgeht, die mehrere Jahrzehnte alt ist und ein mittlerweile überholtes Weltbild propagiert. Grundsätzlich finde ich ja, dass man sie keinesfalls umschreiben, sondern sich vielmehr bewusst und kritisch damit auseinandersetzen sollte.
    Bloß wird das bei Kinder- und Jugendbüchern schwer, je nach Alter der Kinder und ganz banal auch abhängig davon, ob sich Eltern die Zeit nehmen, sich da gemeinsam mit auseinanderzusetzen.
    Und wenn solche Klischees unreflektiert verbreitet werden, finde ich das schon kritisch… da wird einfach ein ganz bestimmtes Weltbild in die Köpfe gepflanzt.

  10. Ich habe mir mal als Kind ein TKKG-Buch ausgeliehen, das hat mir nicht gefallen, weil die Kinder mir irgendwie so unsympathisch waren. Da mochte ich lieber die Knickerbockerbande oder die Fünf Freunde, auch wenn diese Geschichten voller Klischees bzgl. der Rollenverteilung sind. Aber ich hätte nie gedacht, dass da so ein erzkonservatives Weltbild in der TKKG-Welt herrscht(e)… muss wohl die BILD unter den Kinderdetektivromanen sein…

    Und nein, ich finde, in den 80ern war man nicht so weit, was (Alltags)rassismus angeht. Ausländer waren Ausländer. Man ging einfach davon aus, dass sie irgendwann in ihre Heimat zurückkehren werden. Das merkte ich durchaus in manch Kinderbuch der 80er bzw. frühen 90er zwischen den Zeilen, z.B. wenn ein „Gastarbeiterkind“ neu in eine Klasse kam, musste man natürlich betonen, dass es komisch angezogen ist oder es anders roch. Das kommt mir aus heutiger Sicht echt seltsam vor.

  11. Sehr interessanter Post :) Ich selber habe nie TKKG gehört, deswegen kann ich da keine eigenen Erfahrungen teilen. Allerdings war ich letztens beim Comedyprogramm von Johann König und der hat das dort auch aufgegriffen, insbesondere auch den Grad der Gewalt und die meiner Meinung nach ziemlich rohe Sprache und der raue Umgangston. (Ich hab halt nur Benjamin Blümchen gehört früher, aber wenn ich so drüber nachdenke, war auch der bestimmt nicht frei von Vorurteilen, Klischees und Stereotypen)

    Und übrigens sehe ich es wie du: Was Rassismus angeht kann man nicht sensibel genug sein, denn Rassismus darf es nicht geben. Das hat rein gar nicht mit freier Meinungsäußerung zu tun, denn Rassismus bedeutet jemanden aufgrund seiner (vermeintlichen) Herkunft oder äußerer Erscheinungsmerkmale (mir widerstrebt es, den Begriff „Rasse“ zu verwenden) schlechter oder besser zu stellen und das ist ein NoGo. Da gibt es einfach kein „aber“ und kein „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.

  12. wow. das hat mich jetzt doch etwas überrascht. Bei mir fing das alles an mit den Märchen, die fand ich als Kind schon immer sehr gewaltverherrlichend: klar, schneiden wir dem doch eifnach den bauch auf, stecken steine rein und ab mit ihm in den brunnen. Das fand ich ja schon etwas übertrieben für Kinder, aber gestört hat das außer mir irgendwie niemanden.
    dafür kann ich jetzt aber umso mehr nachvollziehen was du über TKKG etc denkst… ich habe nie wirklich Fünf Freunde und so etwas gelesen (ich bin 97 Jahrgang) und kann deshalb schlecht sagen, ob mir das aufgefallen wäre oder mich beeinflusst hätte, aber da ich doch eine sehr offene und tolerante SIchtweise habe würde ich das meinen Kindern eigentlich nicht vorlesen wollen… hnmmmm….

    liebe grüße,
    allie

    • Märchen sind ja auch nicht für Kinder gemacht (heute gibt es extra Bücher für Kinder mit zahmen Versionen). Die Grimms betitelten die Kinder und Hausmärchen so, weil man so eine Zielgruppe hatte (s.h. Steffen Martus‘ Grimm Biografie), Kindheit gerade entdeckt wurde (zuvor waren es kleine Erwachsene, vgl Die Entdeckung der Kindheit von *Name entfallen*) und man nicht genau wusste, wer das Buch kaufen würde. Besonders Rotķäppchen richtet sich explizit an Mädchen in der Pubertät (vgl. Drewermann). Es geht darin um Sex (s.h. Moral bei Perrault Original). Der Wolf bittet sie, sich im Wald umzusehen, Blumen zu pflücken (deflorieren), sie soll sich Zeit lassen (weibliche Sexualität), er nimmt den direkten Weg (männliche Sexualität). Dann verhöhnt er die schwangere Frau, in dem er die Großmutter frisst. (Hier endet das Original, Grimms dichteten hjnzu:) Zur Strafe wird ihm der Bauch aufgeschnitten, mit Steinen gefüllt (Symbol der Unfruchtbarkeit). Dabei handelt es sich wiederum um die Verhöhnung der Unfähigkeit des Mannes, schwanger zu werden. Hinzu kommt die Farbe Rot als Symbol für Sexualität etc. etc.
      Als ich Kind war ging es mir ähnlich. Da gab es zu viel Gewalt. Aber das war auch faszinierend und weckte mein Interesse.

  13. Ja, ist schon komisch, wie sich die Warnehmungen unterscheiden. Ich fand als Kind TKKG nicht doll, war (und ist mir) irgendwie immer zu politisch korrekt und „links“ gewesen. Aber das ganze soll konservativ und rassistisch sein? Ich glaube, Ihr wisst gar nicht, was konservativ bedeutet…..

  14. Wow die TKKG Folge muss ich mir auch mal anhören.
    Aber ich glaube das lag er an der damaligen Zeit.
    Das war ebend die „Generation“
    Jetzt würde man sofort N*** dazu sagen aber damals war es ebend so.
    Ist aber trotzdem ganz schön hart.

    MfG
    Florian :)

  15. Ich empfehle gerne mal den Podcast Methodisch inkorrekt – Folge 43, ab Minute 43 unterhalten sich die beiden über Bibi Blocksberg. Da fällt einem auch einiges auf was die politische Meinung beeinflussen könnte. Sehr empfehlenswert!

    Ich zu meinem Teil habe die Karl May Bücher als Sammlung, lese gerne mal da rein, stolpere aber immer wieder über krasse Vorurteile, zum Beispiel bei „Der blaurote Methusalem“. Wenn ich überlege das ich die Bücher als Kind verschlungen habe. Gut, jetzt kann man natürlich argumentieren wie alt die Bücher sind und wer Karl May war, bzw. wie viel er wirklich wusste.

    Ich hatte neben Karl May auch eine menge TKKG Kassetten und Bücher, allerdings hat mich das nicht geprägt, zum Glück.

  16. Oha, ich hab TKKG gar nicht gehört, bzw. hatte zwar Kassetten, aber erinnere mich nur noch ganz dunkel dran. Leider war dieser Tonfall ja früher üblich; ich habe mal in einem Archiv gearbeitet und durfte dort Pressespiegel bearbeiten (sprich: die Überschriften von alten Zeitungsartikeln in ein PC-Programm abtippen. Habe in den späten 70ern angefangen und in den späten 90ern aufgehört. Gute Güte, was es da für Artikel gab… mein Überschriften-Anti-Highlight: „Der Türke Ali sprach goldene Worte“ – den Artikel habe ich sogar noch gelesen und überhaupt wirkte der Autor maßlos irritiert, dass erstens „Türke Ali“ sprechen konnte (ein Türke, der sprechen kann, … heilige Scheiße!), dann zweitens, dass „Türke Ali“ auch noch gut (!) Deutsch (!!!) sprechen konnte und drittens, dass er das auf einer öffentlichen Veranstaltung getan hat. x( Fürchterlich, was es da teilweise gab. Auch Interviews mit damaligen Austauschschülern habe ich gelesen – die kamen aus der ganzen Welt, bspw. China. Einer dieser Austauschstudenten hat dem Autor (in den späten 80ern, wenn ich mich erinnere) berichtet, dass Ausländer sein in Deutschland richtig scheiße ist, aber wenn man türkischer Abstammung ist, dann sei man ganz unten, quasi der Fußabtreter. X_X
    Heute ja glücklicherweise ganz undenkbare Umstände. Auch interessant, dass es in den 90ern eine „Ausreisewelle“ gab, weil man vielen ausländischen Arbeitnehmern in den Auto- und Stahlwerken Geld geboten hat, damit sie wieder in ihre Heimat gehen. Tolle Idee!, meint der Rassist von damals, und Wochen später war dann das Gejammer groß, weil plötzlich halbe Schulklassen gefehlt haben und zusammengelegt werden mussten.
    Ein Blick in die Geschichte lohnt sich in Bezug auf Rassismus immer… und vor allem sollte man sich dazu auch wirklich die Quellen angucken – dann merkt man erst mal, wie abwertend über andere Nationalitäten geschrieben wurde.

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