Gestern konnte ich einer sehr interessanten Diskusion zwischen meinem Freund und seiner Mutter lauschen. Es ging darum ob man die Freunde eines Menschen mit kriminelle und/oder extremen Ansichten verurteilen darf. Mein Freund vertrat die Ansicht das jemand der die kriminelle Energie seines Freunde/Bekannten/Partners nicht unterstützt, aber auch nichts gegen sie tut verurteilen kann, seine Mutter ist aber der Meinung man dürfe nicht pauschalisieren.
Nehmen wir doch gleich das extremste Beispiel: Wenn jemand mit Adolf Hitler befreundet war und merkte was genau dieser vorhatte, hätte er sagen müssen “Wenn du dich so benimmst und solche Ansichten vertrittst möchte ich nichts mehr mit dir zu tun haben”? Und habe ich das recht die Person zu verurteilen wenn sie es nicht tut? Hat die Person sich mit schuldig gemacht, weil er seinen Freund nicht von all dem abgehalten hat?
Ich bin da in einem ziemlichen Zwiespalt, denn einerseits, kann ich es nicht gutheißen, wenn jemand kriminelle Taten durch nichts tun unterstützt, anderer seits, ist die Rechtslage klar, jemand der nichts böses getan hat darf auch nicht verurteilt werden. Ich finde aber, dass ich mir das Recht nehmen dürfte mit einem Freund von Hitler nichts zu tun haben zu wollen, weil er nicht versucht die abgrundtief bösen Absichten und Ansichten zu unterbinden.
Kann ich Eva Braun für ihre Liebe zu Hiltler verurteilen? Nein, den man kann Gefühle nicht steuern, aber ich kann sie hinterfragen. Ich würde wissen wollen, ob ihre Liebe sie so blind macht, dass sie ausschließlich das Gute ihn ihm sieht, oder ob sie das Schlechte nur nicht gewichtig genug ist um sich zu “entlieben”. Natürlich könnte man Hitlers Mutter nicht dafür verurteilen, dass sie ihren Sohn liebt, aber kann man so viel Abstraktion von ihr verlangen, dass sie sieht wie ihr Sohn zu einer Bestie wird?
Ein anderes Beispiel, erst kürzlich passiert. Ein Mann hat vor einigen Jahren eine 13. Jährige vergewaltigt (und soweit ich weiß auch ermordet). Eine Frau lernt diesen Mann kennen, weiß von den Abgründen seines Darseins und verliebt sich trotzdem in ihn. Denkt man nun, die Frau sei Lebensmüde oder habe ähnliche perverse Phantasien, sich nur noch nicht getraut so auszuleben, oder denkt man ihre Liebe zum Rest der den Menschen ausmacht sei einfach stärker als jeder Zweifel?
In jedem Fall, habe ich das Recht, das handeln von Bekannten/Freunden/Partnern und Familienmitgliedern von Kriminellen zu hinterfragen und mich für ihre Ansicht zu interessieren. Wenn sie mit mir nicht darüber reden wollen würde, würde ich mir sogar das Recht nehmen nichts mit ihr zu tun haben zu wollen, doch verurteilen dürfte ich sie nicht, denn wir können nur vor die Stirn und den Brustkorb eines Menschen sehen, nicht aber welche Beweggründe oder welche Gefühle ihn/sie leiten.











Heikles Thema. Ich denke das hängt auch ein wenig mit der Nachweispflicht zusammen. Wenn ein Freund mal sagt “ich werde jemanden umbringen” würde ich es nicht glauben. Wenn ich diesen sehr gut kenne – er es immer wieder andeutet und wiederholt – er wirklich oft davon spricht – würde ich was tun? wäre ich mir sicher? nein.
weis ich das ers vorhat. hat er mir sein plan gesagt und ich tue nichts dagen sollte ich schuldig und verurteilt werden wenn ich nichts tue. aber das ist doch auch so im deutschen rechtssystem oder? nur wie will man es mir nachweisen das ich es genau wusste…
Wenn jemand etwas Kriminelles tun will, tut er das. Auch dann, wenn irgendwer ihm sagt, dass er dann nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Wenn du weißt, dass dein Freund jemanden umbringen will und das nicht der Polizei meldest, bist du NICHT unschuldig, sondern wirst automatisch zum Mittäter! Das ist genauso wie wenn du über die Straße gehst und siehst, dass jemand verprügelt wird: Es ist nicht deine Pflicht, aktiv einzugreifen, aber du hast eine Art Meldepflicht, alles andere gilt als unterlassene Hilfeleistung und kann – rein theoretisch – bestraft werden.
Wenn jemand etwas Kriminelles tun will und ich davon weiß, kommt es drauf an, was es ist. Wenn es so etwas ist wie äh was weiß ich .. nen Song runterladen, dann wärs mir vermutlich einfach egal. Aber sofern dadurch irgendwer zu Schaden kommen würde, würde ich erst versuchen, ihn davon abzuhalten und, sollte das nicht funktionieren, jemanden davon in Kenntnis setzen. Ich könnte nicht damit leben, dass ich wusste, dass XY jemanden zusammenschlagen wollte und ich es hätte verhindern können.
@Hannah: Aber meine Frage ist ja nicht wie ich als Freund handeln würde, sondern ob ich als ein Aussenstehender sagen kann “Dein bester Freund ist ein Arschloch, darum will ich mit dir nichts zu tun haben!”
Klar macht sich jemand der von Bsp nem Mord weiß und nichts sagt schuldig, aber bei Hitler wussten es ja fast alle. Und viele dachten halt es wäre richtig was er tut. Andere vllt nciht, die ihn dann aber als Freund nciht verlieren wollten. Glaube das ist nicht so einfach.
@Babel: Auch hier kann ich nur sagen, dass es darum geht ob ich als Aussenstehender zu einem Freund von jemandem dessen Meinung oder verhalten ich doof findesagen kann das ich nichts mit ihm zu tun haben möchte weil er mit soeiner Person befreundet ist.
Ich glaube, diese Dinge sind viel komplizierter.
Zum einen gibt es niemals ausschleßlich gute oder ausschließlich schlechte Menschen. Tatsächlich gehören Gut und Böse untrennbar zusammen. Es gäbe das Böse nicht, wenn es das Gute nicht gabe – und umgekehrt. Jeder Mensch hat also Gutes und Böses in sich. Manche halt in der Extremform.
Zum anderen ist jeder Mensch immer nur subjektiv. Wenn Du Dich verliebst, dann in Facetten Deines Partners, die vielleicht nur Du liebenswert findest. Dein subjektives Empfinden für diesen Menschen ist Liebe. Frauen fanden meine Augen immer schön. Was weiß ich, warum. Ich habe sie immer nur von innen gesehen. Aber es war mich auch nicht wichtig, wenn’s nur ihnen gefiel.
Hitler und die seinen lebten in einem Paralleluniversum. Waren so gut wie abgeschottet von Kontakten zu normalen Menschen. Ich bin davon überzeugt, daß Eva Braun gar nicht wußte und auch nicht geglaubt hätte, zu welchen Untaten Adolf Hitler fähig war. Sie hat ihn subjektiv so gesehen, wie eine Frau einen Mann, in den sie sich verliebt. Vielleicht auch in ihren Fall in seine Macht. Aber daß er so war, wie er eben objektiv war, hat sie subjektiv gar nicht erfaßt. Also kann man ihr auch keinen Vorwurf machen, oder? Davon abgesehen, glaube ich nicht, daß Adolf Hitler Freunde hatte. Röhm war sein Freund, aber stand ihm im Weg. Also hat er ihn 1934 umbringen lassen.
@Georg: “Zum einen gibt es niemals ausschleßlich gute oder ausschließlich schlechte Menschen. Tatsächlich gehören Gut und Böse untrennbar zusammen. Es gäbe das Böse nicht, wenn es das Gute nicht gabe – und umgekehrt. Jeder Mensch hat also Gutes und Böses in sich. Manche halt in der Extremform.” Das würde ich so unterschreiben, aber der Rest sind genau wie meine Ausführungen nur Thesen, die man nicht gänzlich belegen kann. :/
Mh ist schwer zusagen… ich denke es kommt natürlich auch auf die Schwere des Verbrechens an. Wenn jetzt ein Freund sagt, er wolle etwas klauen, würde ich wahrscheinlich nicht sagen, dass ich mit ihm nichts mehr zutun haben will. Aber wenn er jetzt sagt, er will jemanden umbringen, dann schon.
@Celina: jaaaaa aber es geht ja darum ob du mit dem freund des kriminellen noch was zu tun hast oder ihn mit verurteilst^^ nicht was du als freund des kriminellen tun würdest =D