1. ❤ Wie die Zeit vergeht…

    5. August 2009 von Chaosmacherin | Kommentare4 Kommentare

    Ja ja, Chris hat recht, das klingt als wäre ich eine alte Frau. Ich habe grade ein neues Foto von Mio Noah Leander gesehn. Der Sohn von Eike. Eike ist einer der Menschen die mich neben Mutter und Vater am meisten prägten und er war mein Bester Freund. Ich habe ihn Lange nicht gesehn und nun ist sein Sohn schon ein Jahr alt.
    Ich Möchte hier von Eike erzählen, auch wenn es keinen interesiert. Ich lernte ihn im Internet kennen und ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht wie sehr mich dieser junge Mann mit den dünnen, dunkelblonden Haaren berühren würde.
    Ich fing irgendwann an regelmäßig mit Eike zu schreiben, irgendwann kam dann noch die Webcam dazu. Wir waren immer für einander da, schrieben jeden Tag und irgendwann wollte er telefonieren also telefonierten wir. Ich mochte seine Stimme vom ersten Aufenblick. Er spielte mir auf der Acoutik Gitarre vor. Ich erinnere mich genau das das erste Lied was er sang war “Freunde der Realität” von Funny van Dannen.

    Gleich danach spielte er ein Lied, das ich wenn wir ein Paar wären, “unser Lied” nennen würde “Die zwei Trauben” von Götz Widmann

    Ich weinte.
    Wir telefonierten täglich. Manchmal sprachen wir auch garnicht und genoßen nur das jemand “da war”. Ab und An fing Eike auch einfach an auf seiner Gitarre zu spielen und lagte den Hörer ohne Ankündigung weg.
    Irgendwann verliebte ich mich über Nacht in einen Punk aus Berlin und fuhr zu ihm. Lebte 3 Tage mit ihm zusammen als wären wir ein Paar. Doch am 3. Tag sagte René (so hieß er) mir ich müsse gehn, denn er ginge mit seiner Band auf Tour. Für mich war das eine beschissene Situation, denn ich hatte mich mit meiner Mutter gestritten und bin ohne ihre Erlaubnis zu René gefahren um auszunutzen das ich jetzt 18 war. Wäre ich nun zurück Heim gefahren, dann hätte sie sich in all ihren Vorurteilen bestätigt gefühlt. Also rief ich Eike an, er war meine letzte Hoffnung. Allerdings war Eike grade in Hamburg und besuchte eine andere Freundin. Extra für mich brach er seinen Besuch bei ihr ab und fuhr von Hamburg zurück nach Göttingen.
    Also fuhr ich zu Eike und sah ihn das erste mal. Wir verstanden uns in der Realität auf anhieb genau so gut wie Online. Ich musste feststellen das René mich wirklich nur verarscht hatte, denn er schaltete sein Telefon aus wenn ich anrief und ignorierte mich im Internet. Heute bin ich ihm dankbar dafür denn sonst wäre ich vielleicht nie zu Eike gefahren.
    Wir lachten und weinten viel zusammen und weil es ihm zu dieser Zeit nicht gut ging bot ich ihm an mit zu mir zukommen um sich abzulenken. Er war einverstanden und mit Gitarre und ein Paar Sachen fuhren wir zu mir.
    Meine Mutter mochte Eike gleich und wünschte sich das er ihr Schwiegersohn werden würde. Aber dazu kam es nie. Auch mein Vater und meine Schwester verstanden sich Prima mit ihm, dabei war Eike immer ein Kerl gewesen der aneckte ohne viel dazu zu tun. Vielleicht weil er sich nicht zensieren ließ. Eike sagte was er dachte ohne dabei verletzend zu sein und auch ich konnte ihm alles sagen. Wenn ich fand das er ein “Wichser” war dann sagte ich es und es war ok.
    Wir verbrachten viel Zeit damit Filme zusehen. Bis heute steht noch Eikes DVD “Zombie” in meinem Regal weil er sie vergessen hat und dafür hat er noch meine DVD “Barfuss”.
    Wir waren auch viel draußen. An der Rur zum Beispiel, wo Eike mir, meiner Schwester und ihren Freunden auf der Gitarre vorspielte. Unter anderem wieder “die zwei Trauben”.
    Irgendwann war es dann so weit und Eike zog weiter. Ich vermisste ihn und die Zeit mit ihm sehr.
    Im Sommer 2007 führ ich mir jemandem zum Wendlandcamp. Ich brauchte viel überredungs Kraft um Eike auch dort hinzubekommen. Wir führten dort ein “Hippie-Leben” wie es im Buche Steht. Veganes Essen, Lagerfeuer, Gesang, freie Liebe und viele Dreadlocks. Zu dieser Zeit bekam ich auch meine ersten Dreads.
    Auf dem Camp lernte Eike auch die Sarah kennen, aber zu der kommen wir später noch. =D Hier erst mal ein Video, damit klar ist um was es eigentlich geht. Ich geb da übrigens ein Interview. Ich bin die, die das erste mal da war ;) Wenn ich das erste mal was sage, sieht man auch wie mir die Ersten Dreads gemacht werden.

    Vom Camp aus fuhren wir zu mir. Im Zug trug Eike weder T-Shirt noch Schuhe, dafür aber einen Wickelrock. Man kann sich die Blicke vermutlich vorstellen, es war köstlich. Ich er innere mich auch noch an einen Jungen, der wohl heute einen Vokuhila tragen würde, der sagte: “Altah! bisst du zu arm für Klamotten? Bissu behindat?!”.
    Wir hatten wieder eine schöne Zeit. Saßen zum Beispiel mitten in der Nacht im Park tranken Bier und redeten.
    Von mir aus fuhr Eike dann zur eben genannten Sarah, nach Bayern, und lernte ihre Freundin Rosalind kennen. Die beiden verliebten sich und plötzlich war sie Schwanger. Ich machte mir keine Sorgen, denn ich war sicher Eike würde ein guter Vater werden. Aber es kam anders. Die Geburt des kleinen Mio setzte in Eike ein Kindheitstrauma wieder frei und er war nicht im Stande seinen Sohn zu lieben. Wenn der kleine schrieh hatte Eike körperliche schmerzen. Zu dieser Zeit vermisste ich Ihn sehr und schrieb:

    Ich hab grad Besuch von einem ganz schlimmen Gefühl das mir sagt wie du mir fehlst!
    Es kam ganz plötzlich,
    klopfte an mein Herz und sagte, “wo ist der Mensch mit dem du fast täglich telefoniertest, der mit dem du ständig schriebst, der, der dir so viel beibrachte, der, der dich oft mit Gesang zum weinen brachte, der , der dir zum Trost die Stirn küsste?”
    ich antwortete “er hat nun Frau und Kind und wenig Zeit” und das Gefühl sagte “dann bleib’ ich hier.. so lang bis du zu ihm gehst.
    Und jetzt sitzt es hier auf dem Bett, direkt neben mir, kann mit dem Finger in meinen Magen piksen so das ich mich sonderbar fühle. Und ich versuche ihm klar zu machen das es dir gut geht, aber es glaubt mir nicht, oder es ist ihm egal..

    Er entschloss sich eine Therapie zu machen. Ich glaube es hat ein wenig geholfen, aber für mich ist Eike nicht mehr Eike. Er ist nun jemand anders, jemand nettes, aber nicht der Mensch der für mich Bruder, Geliebter und bester Freund war. Und angefangen hat das alles, weil ich ihn zum Wendlandcamp überredete…



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  2. 4 Kommentare

    1. Annika sagt:

      Wie schön..
      Mir kamen grad fast die Tränen…
      Du kanst sowas super gut rüberbringen.

    2. AppleJünger sagt:

      "Ich Möchte hier von Eike erzählen, auch wenn es keinen interesiert."

      Hi Mareike,

      mich hat`s interessiert. Eine bewegende Geschichte!

    3. Irx sagt:

      Mich hats auch interessiert.
      Wirklich mitreißend und bewegend…

      Ich mag die Art wie du schreibst
      Auch wenn es sie mit Schmerz verbunden ist,
      kann ich nur sagen: Wunderschön.

    4. Kasumi sagt:

      vielen dank. das freut mich =)

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